Volunteer Work in Südafrikas Wildnis

Eine Idee ist geboren…

Was macht eine Polizeibeamtin im Sabbatjahr? Natürlich: viel reisen! Frei sein! Die Welt entdecken! Klar. Aber was mache ich, um auch einen Mehrwert für mich selbst und am besten auch für andere zu gewinnen? Was eignet sich da am besten? Genau diese Fragen habe ich mir gestellt und bin so auf auf die Vergleichsplattform „volunteerword.com“ gestoßen. Dort werden weltweit Freiwilligenprojekte im Ausland vorgestellt. Ausgestattet mit einer Suchfunktion. 

Also flugs eingegeben was ich gerne machen will – mit Tieren arbeiten – und schon wird eine Vielzahl an Möglichkeiten ausgeworfen.

Schnell war klar: ich will nach Afrika. Die Big Five, unberührte Landschaften, Wildnis. Da muss ich  hin. Zwischen all den verschiedenen Anbietern entschied ich mich für das „Big 5 Monitoring, Conservation, Sustainable Living“ Projekt in Thabazimbi, Südafrika. Die Bewertungen waren sehr gut und auch die Beschreibung des Projekts sprach mich sofort an. Also flugs ein kleines Bewerbungsschreiben aufgesetzt und ab die Post. Die Antwort von Sabrina kam schnell: sie würden sich freuen mich bei sich zu haben und das von mir angefragte Einzelzimmer war auch noch frei. Nur schlug sie vor anstatt der von mir angefragten zwei Wochen gleich auf drei Wochen zu erhöhen. Klar – kein Problem. Ich war ja im Sabbatjahr.

Ich buchte den Flug nach Johannesburg und Anfang Mai 2019 ging es los. Das große Abenteuer.

Ankunft in Südafrika

Am Dienstag vormittag kam ich in Johannesburg an. Ich hatte den Transfer mit gebucht und wartete also voller Vorfreude und Spannung auf Koos, der mich abholen sollte. Die Wartezeit nutzte ich um Geld abzuheben und mir eine südafrikanische SIM-Karte für mein Handy zu kaufen. Das klappte alles problemlos.

Auch Koos erkannte ich in der großen Halle sofort. Er sah aus wie der typische Ranger. Cargohose und Hemd in gedeckten Farben. Naja – und ein Schild mit dem LEO-Logo hielt er auch hoch.

Ich war an diesem Tag die Einzige, die angekommen war und so machten wir uns zu zweit auf den etwa 4stündigen Weg zur Base Lodge in der Nähe von Thabazimbi. Die 4 Stunden waren nur die reine Fahrzeit. Wir aber waren den ganzen Tag unterwegs. Reifen besorgen, Einkaufen, Mittagessen in einem netten Restaurant, bestellte Pizzen abholen und dann endlich kamen wir im Dunkeln auf der Farm an. Bis auf eine Angestellte waren aber noch alle ausgeflogen. Sie waren immer noch auf dem „PM Game Drive“. Hui, war das aufregend. 

Ich konnte mein Zimmer beziehen – ein kleines Zimmer mit einem französischem Bett und einem großen Schrank. Toll war das eigene kleine Bad mit Dusche und die zwei großen Fenster. Moskitonetz aufgespannt, mein Kissen aufs Bett – ich war da: in Afrika. Mitten in der Wildnis. Mitten zwischen den Big 5. Uns trennte nur ein Elektrozaun, der um das Gelände der Farm gespannt war. Wie aufregend.

Kurze Zeit später kamen die anderen Volunteers vom Game Drive zurück. Dann war Leben in der Bude. Wir aßen die Pizza und lernten uns schon ein bisschen kennen. Ich fühlte mich gleich sehr wohl. Alle schienen sehr nett zu sein. Kurz nach 22 Uhr war aber jeder im Bett. Und das lag nicht nur daran, dass jeden Tag um 22:15 Uhr der Strom abgeschaltet wurde, wie ich in den nächsten Tagen selbst erfahren durfte.

Der erste Tag

Als ich am nächsten Morgen aufstand um zu frühstücken waren die anderen schon längst ausgeflogen. Der „AM Game Drive“ startet vor Sonnenaufgang, um auch hier die Möglichkeit zu haben nachtaktive Tiere zu beobachten. Für uns im Mai hieß das um 5:30 Uhr Abfahrt. Aber am ersten Tag durfte ich morgens noch nicht mit – ich erlebte Einweisung in die täglichen Abläufe. Ally, die für die Volunteers und das Essen, zuständig war, erklärte mir die Abläufe auf der Farm und ließ mich gefühlte 20 Sicherheitsformulare lesen und unterschreiben. OK – wir waren in der Wildnis und das ist offensichtlich nicht ganz ungefährlich. Spätestens als ich meine Blutgruppe und die Erreichbarkeit meines Mannes und meiner Hausärztin auf einen kleinen Zettel schrieb und zu denen von den anderen legte war mir das auch klar.

Ich schaute noch zwei Dokumentationen über die Wildnis Südafrikas und dann war es auch schon Zeit zusammen mit Ally das Mittagessen vorzubereiten. Die anderen sollten gegen 12 Uhr zurück sein.

Um 15:30 Uhr hieß es dann auch für mich: ab auf das Fahrzeug und rein in die Wildnis. Schön war, dass wir in dieser Woche nur 5 Volunteers waren – das bedeutete, wir hatten viel Platz auf dem Fahrzeug, das eigentlich für 9 Volunteers ausgelegt ist. Und alle durften mit auf die Drives. Keiner musste auf der Farm zurückbleiben und dort Aufgaben erledigen oder das Essen vorbereiten. Unsere Arbeitskraft wurde auf den Drives dringender benötigt. Und darüber freuten wir uns sehr.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war das Gelände der Farm zu verlassen. Die Straße zu überqueren und danach durch ein großes eisernes Tor in den Marakele National Park zu fahren. Ich fühlte mich wie in „Jurassic Park“. Das Tor öffnet sich. Man fährt hinein und wartet auf der anderen Seite bis sich das Tor wieder geschlossen hat. Erst dann fährt man weiter. Mann, war das aufregend.

Und mein erster Tag enttäuschte mich nicht! Conny, unsere Rangerin, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Was für eine tolle, starke Frau! Und wir hatten so viel Glück. Gleich am ersten Tag endeten wir in einer riesigen Elefantenherde, die um unser Fahrzeug ihren Abendsnack einnahm. Wie klein und hilflos man sich da fühlt ist nicht zu beschreiben und muss man selbst erlebt haben. Wir saßen alle mucksmäuschenstill im Fahrzeug und warteten bis die Herde wieder im Busch verschwand. Mein extra für diesen Urlaub gekauftes Teleobjektiv konnte ich getrost die nächsten Tage im Rucksack lassen. Die Tiere waren nie so weit weg, als dass ich ein Teleobjektiv gebraucht hätte.

Wo liegt der Marakele National Park?

LEO Africa betreut die Sektion „Marataba“ des Marakele National Park, im Herzen der Waterberg Mountains in Südafrika.  Der Park ist etwa 670 Quadratkilometer groß und als Wildschutzgebiet unter der Obhut von South African National Parks. Aufgrund seiner Lage zwischen der trocken Zone im Westen und der feuchten Zone im Osten gibt es dort eine Vielzahl von Wildtieren. Der Park liegt etwa eine Autostunde von der nächsten großen Stadt, Thabazimbi, entfernt. 

Die Sektion, die von LEO betreut wird ist etwa 23.000 Hektar groß. Sie ist gekennzeichnet von majestätisch anmutenden Berglandschaften der Waterberg Mountains, tiefen Tälern, Flüssen und mit gras bewachsenen Hügeln. Anzutreffen sind dort neben den BIG FIVE (Elefant, Nashorn, Leopard, Löwe, Büffel) auch eine Vielzahl anderer Wildtiere, wie beispielsweise Impalas, Kudus, Nilpferde, Geparden, Hyänen und etwa 400 verschiedene Vogelarten. Alle Tiere hier abschließend aufzuzählen ist schlicht nicht möglich!

In der Sektion sind lediglich zwei Luxus-Lodges vorhanden. Andere Gäste sind nicht erlaubt. Somit ist man die meiste Zeit tatsächlich in menschenleeren Gegenden unterwegs. 

In einer unglaublich schönen Landschaft mit einer beeindruckenden Tier- und Pflanzenwelt.

Was sind denn die Aufgaben von LEO?

Ziel des LEO Africa Forschungsprojekts ist es, Verantwortlichen des Parks und Ökologen detaillierte Informationen über die wild im Park lebenden Tiere zur verfügung zu stellen. Diese Informationen werden verwendet, um ausgewogene, stabile und nachhaltige Ökosysteme zu erhalten.

Im Rahmen des Programms werden durch LEO Bewegungen, Verhalten, Anzahl, Essverhalten von Löwen, Nashörnern, Leoparden, Elefanten, Büffeln, Geparden und Hyänen aufgezeichnet und überwacht. 

Die Freiwilligen helfen bei diesen täglichen Aufgaben. So werden täglich zwei Überwachungsfahrten durchgeführt. Auf diesen Fahrten wird der Tierbestand beobachtet, aber auch Arbeiten wie Buschräumung und Straßenreparatur stehen auf dem Programm. Während der Fahrt ist immer ein erfahrener Ranger dabei, der über die Flora und Fauna informiert. Außerdem lernt man Fährten zu lesen. Und natürlich ist der Ranger auch für die Sicherheit der Mannschaft verantwortlich. 

Im Einzelnen sehen die Aufgaben der Freiwilligen so aus:

  • Teilnahme an täglich zwei Überwachungsfahrten  (Morgens und Nachmittags)
  • Ermittlung und Überwachung der Anzahl der Raubtiere im Nationalpark, wie bsw. Löwen, Leoparden, Hyänen und Geparden
  • Überwachung des Ernährungsverhaltens, Auswahl der Beute, Häufigkeit der Tötungen und der damit verbundenen ökologischen Auswirkungen
  • Beobachtung des Sozialverhaltens von Löwen-, Geparden-, Hyänen-, Nashorn- und Elefantenpopulation im Park
  • Beobachtung der räumlichen Bewegung von Raubtieren und Pflanzenfressern
  • Aktualisierung der Identifizierung-Kits, Fertigung von Fotos und Videos
  • Auswertung der Wildkameras
  • Naturschutzarbeit, wie bsw. Instandsetzung von Straßen, Rodung von Buschpflanzen, Erosionsschutz, Entfernung von eingeschleppten Pflanzenarten, Umsiedlungen von Tieren
  • Verhinderung von Wilderei
  • Sammlung and Analyse von Daten mit dem Ziel monatliche Berichte an den Park Manager zu erstellen

Und auch auf der Farm sind die Aufgaben vielfältig.  Abwechselnd werden hier die Freiwilligen eingeteilt, um im Büro, in der Werkstatt, im Gemüsegarten und beim Kochen zu helfen.

Wichtig zu wissen ist natürlich auch, dass LEO Africa keine finanzielle Unterstützung der Regierung erhält. Das bedeutet, dass nur das Geld, das die Freiwilligen bezahlen, der Finanzierung und Aufrechterhaltung des Projekts dient. Ohne die Freiwilligen wäre es nicht möglich dieses Naturschutzprojekt zu finanzieren. Ich würde das als klassische „win-win-Situation“ beschreiben: wir haben die Möglichkeit eng mit den Rangern zusammenzuarbeiten und somit einen tiefen Einblick in die afrikanische Tier- und Pflanzenwelt zu bekommen und LEO bekommt durch die finanzielle Zuwendung und praktische Hilfe der Freiwilligen erst die Möglichkeit dieses wichtige Projekt umzusetzen. 

 Wie sieht denn so ein „normaler“ Tag bei LEO aus?

Wer als Volunteer zu LEO will, sollte kein Problem mit dem frühen Aufstehen haben. Mein Wecker klingelte täglich um 4:45 Uhr. Dann schnell waschen, ein kurzes Frühstück, Wasserflasche füllen und ab auf’s Fahrzeug. Um 5:30 Uhr war Abfahrt. Wenn man zum Phuza-Dienst eingeteilt war, hieß das zusätzlich noch die Phuza-Box richten: Wasser abkochen und in Thermoskannen füllen, Becher und Löffel zählen, Teebeutel, Kaffee- und Milchpulver, Zucker und vor allem die Kekse nicht vergessen.

Morgens ist es unglaublich kalt auf dem offenen Fahrzeug. Dick eingemummelt, mit Decken auf den Beinen saßen wir im Wagen. Und die in der ersten Reihe mussten mit den Spotlights die Umgebung nach Nachtjägern absuchen. Kalt – aber spannend. Und jeden Tag wird man mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt. 

Meist waren wir bis 12/13 Uhr im Busch unterwegs. Angepeilt war zwar immer zur Mittagszeit zurück im Camp zu sein. Aber wenn man in einer Herde Elefanten steht kommt man nicht mehr so schnell weg.

Mittags gibt es dann Mittagessen, das von Ally und einem Freiwilligen, der zum Dienst eingeteilt war, zubereitet worden ist. Dann war Siesta angesagt. Ich habe diese oft mit einem Kaffee und einem Buch in der Hängematte im Garten verbracht. Und nicht selten dann genau dort mit einem Nickerchen verbracht.

Denn um 15 Uhr ging es wieder zurück in den Busch. Weitere fünf spannende Stunden in der Wildnis lagen vor uns. Und ein atemberaubender Sonnenuntergang. Und wieder: alle Klamotten, die man morgens nach und nach ausgezogen hatte, musste man jetzt wieder nach und nach anziehen. Sobald die Sonne untergegangen ist, wurde es nämlich wieder richtig kalt.

Zurück im Camp gab es Abendessen. Und nach einer kurzen Dusche ging auch jeder schnell ins Bett – am nächsten Tag klingelte ja wieder der Wecker um kurz vor fünf Uhr. Und außerdem geht um 22:15 Uhr das Licht aus, weil der Strom abgeschaltet ist.

Freitage und Sonntage sind bei Leo immer etwas besonderes. Am Freitag geht man nur morgens auf „Game Drive“. Nachmittags geht’s in die Stadt nach Thabazimbi. Dort wird eingekauft und wir Volunteers ergänzten unsere persönliche Essenvorräte, luden unsere SIM-Karten auf, telefonierten mit den Liebsten zu Hause oder surften im WLan. Und Abends gingen wir alle zusammen in einem Restaurant essen und spielten Billard. 

Sonntags finden keine Game Drives statt. Das ist der Tag zum Wäsche waschen, Fotos sichten, Wildkameras auswerten, Tagebuch schreiben, lesen, ausruhen und quatschen.

Außer man hatte Dienst – dann arbeitete man in der Küche, im Garten, im Büro oder was sonst so anfiel. Und abends gab es immer Eintopf auf dem offenen Feuer. Schön war das.

An einem Sonntag machten wir einen tollen Ausflug zum Dinner in eine der beiden 5-Sterne-Lodges im Nationalpark. Natürlich mussten wir das selbst bezahlen – aber das war es wert. Ein tolles Menü unter den Sternen Afrikas in beeindruckender Umgebung: das war es allemal wert. Und nach dem doch recht einfachen Essen im Camp auch eine willkommene kulinarische Abwechslung.

Was hat mich am meisten beeindruckt?

Südafrika hat mein Herz gestohlen. Ich war das erste Mal dort und werde mit Sicherheit wieder kommen. Die Wildnis dort hat mich tief beeindruckt. Die wilden Tiere mein Herz berührt. Die Landschaft ist unglaublich schön. Das Licht, der Duft, die Geräusche – all das werde ich nie wieder vergessen.

Natürlich ist es unfassbar, wenn man mit seinem kleinen Auto inmitten einer Elefantenherde steht. Die Elefanten zum Greifen nahe an das Fahrzeug kommen und man selbst die Luft anhält, um ja kein Geräusch zu machen. Das Adrenalin, das man spürt, wenn man einem Löwen direkt ins Auge schaut. Die Faszination, die die Hyänen – die in echt viel schöner aussehen, als man gemeinhin denkt – ausüben. Der Anmut und die Schönheit der Giraffen. Aber auch die kleinen Tiere, wie die Leopardenschildkröte, die den Weg kreuzt. Die ganzen wunderschönen Vögel.

Und die gemeinsame Zeit mit den Rangern, den anderen Volunteers, die alle dasselbe Ziel haben: die Erde und all ihre Bewohner zu schützen.

Das macht die Zeit bei LEO für mich unvergesslich und einzigartig!

Ihr habt noch Fragen?

Schreibt mir doch, oder hinterlasst einen Kommentar. Ich freue mich, wenn ich den ein oder anderen vielleicht auch inspiriert habe, in seiner Freizeit ein Freiwilligenprojekt seiner Wahl zu unterstützen.

Es gibt so vieles wo unsere Hilfe gebraucht wird. Und was man zurück bekommt ist unbezahlbar!

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